Julian Kerkhoff

Architektur / Relief / Gemischte Techniken, Atelier M.O.19

Über meine Arbeit

Das Interesse für den Prozess der Transformation begleitete mich schon durch mein Architekturstudium an der TU München. Daher bearbeitete ich als Thema meiner Master Thesis eine schwerkraftbetriebene Keltereianlage mit integrierter Hotelnutzung auf einem biodynamisch arbeitenden Weingut an der Ostküste Neuseelands.
Dabei beschäftigte mich unter anderem der Gedanke, was für eine wichtige Schnittstelle zwischen dem ursprünglichen Terroir und der Überformung der Kulturlandschaft des Menschen eine solche Produktionsstätte verkörpert. So wird das Naturprodukt der Traube über zahllose Arbeitsschritte in das Kulturprodukt des Weines transformiert.

Einen sehr ähnlichen Prozess stellt die Architektur dar, entnimmt sie doch beispielsweise den rohen Fels aus der Natur, formt ihn zum Stein und fügt ihn zur Wand. Nahezu jeder Prozess in unserem heutigen Wirken und Handeln stellt eine Art der Transformation von einem Zustand in einen anderen dar.

Dieses Wirken und Handeln gestaltet sich zunehmend weniger symbiotisch sodass der eine Teil des Prozesses verarmt wohingegen der andere haltlos angereichert wird.
Der Kreislauf kommt zum Erliegen.

Diese Thematik, die sich auf weitaus mehr Bereiche als die Architektur übertragen lässt, beschäftigt mich sowohl in meinem architektonischen wie auch künstlerischen Denken.

In diesem Sinne stellt auch meine aktuellste Arbeit in den Domagk Ateliers eine Auseinandersetzung mit dieser Materie, wenn auch in einer gänzlich anderen Form. Dabei handelt es sich um eine Abformung eines getrockneten Blattes einer Riesenstaude (Blattgröße ca. 140x160 cm) die an einigen wärmeren Orten unter anderem in Deutschland wächst. Das eigentliche Blatt wurde nach Austrocknen des Reliefs entfernt um nur den Abdruck zu erhalten.

Dabei inspirierten mich die Arbeiten von Olafur Eliasson zum Thema „The presence of absence“, bei denen er Blöcke aus Grönlandeis in Betonkuben eingegossen hat. Das Eis schmilzt nach dem Aushärten der Betonkuben und hinterlässt nichts als sein ursprüngliches Abbild, seine Erinnerung.

Das dargestellte Gipsrelief stellt das erste Werk aus einem Themenzyklus dar, zu dem bald mehr folgen wird.

gefördert
von der Domagkateliers gGmbH
und vom Kultureferat der Landeshauptstadt München

Umsetzung BUBBLE AROUND